Doris Renoldner, Wolfgang Slanec: So wild wie das Meer

So wild wie das Meer: Unter Segeln von der Adria in die Arktis Book Cover So wild wie das Meer: Unter Segeln von der Adria in die Arktis
Doris Renoldner, Wolfgang Slanec,
Reisebericht, Törnbericht
Delius Klasing
20. March 2017
Taschenbuch
256

Hin und wieder passiert es: Eine Reise wird zum Buch und Segler zu Geschichtenerzählern. Das neue Buch der „Seenomaden“ Doris Renoldner und Wolfgang Slanec, die seit 27 Jahren die Welt unter Segeln erkunden, erzählt von ihrer dritten großen Reise von 2012 bis 2015.

Nach zwei Weltumsegelungen starten die beiden Abenteurer voller Tatendrang 2012 den nächsten großen Törn. Sie segeln von der nördlichen Adria quer durch das Mittelmeer und über den Atlantik in die Karibik und schließlich via USA und Kanada nach Grönland. Fazit: 3 Jahre, 25.000 Seemeilen und 50 Grad Unterschied – sowohl in Temperatur als auch in den Breitengraden. Aber welche Herausforderungen galt es zu bewältigen?

In ihrem neuen Buch erzählen die Seenomaden von ihrer Strandung auf den Bahamas, von ihrer Liebe zu Kuba, vom magischen Moment durch New York zu segeln, vom undurchdringlichen Nebel Nova Scotias, von bewaffneten Landgängen in Labrador und von der vergänglichen Schönheit der Eisberge Grönlands. Aber auch von den alltäglichen Schwierigkeiten des Bordlebens, von Rückschlägen und Zweifeln, vom Glück und vom Staunen.

Eine mitreißende Geschichte über messerscharfe Riffe, eine zutrauliche Seekuh, schwimmende Schweine, Langusten, die in keinen Kochtopf passen, eiskalte Finger und die diffuse Angst vor Eisbären und Eisbergen.


Durchschnittliche Bewertung

2 Rezensionen zu Doris Renoldner, Wolfgang Slanec: So wild wie das Meer

  1. Unter Segeln von der Adria in die Arktis
    Doris Renoldner, W olfgang Slanec

    „Wenn wir einen Umweg fahren, findet unser Leben trotzdem statt. Keine Zeit ist je verloren“

    Diesen Satz aus dem Buche auf Seite 122 habe ich herausgepickt, weil er eigentlich das ausdrückt, was nicht nur diese neueste Reise der Seenomaden charakterisiert. Sie sind frei, leben Ihre Freiheit, atmen das Meer, stellen sich dem Wind, den Wellen und der Natur, ohne irgendwelchen noch nicht aufgestellten Rekorden hinter her zu jagen. Das macht die Beiden, die sich selbst immer schon als Zeitmillionäre bezeichneten sympathisch, authentisch und einmalig.
    Üblicherweise lass ich das Vorwort und auch das Geleitwort in einem Buch aus. Das wäre aber bei diesem Werk ein Fehler. Das Vorwort skizziert in ein paar Sätzen das Leben und die Entwicklung der Seenomaden, was die Orientierung für den erleichtert, der zum ersten mal von den Beiden hört. Das Geleitwort von Mike Lynn ist witzig, spritzig, humorvoll und lesenswert.
    Dann geht es auch gleich los mit der Feststellung, was das Schwierigste an einer solchen Reise ist: Das Losfahren. Nicht zu sagen irgendwann, sondern genau festzulegen wann es losgeht, dann auch wirklich den Gang einzulegen und aufzubrechen. Die Schilderung der notwendigen Arbeiten am Schiff, der Verzicht auf dieses und jenes, was man eben auch noch gerne gehabt hätte, was aber das Budget strapaziert und die Abreise verzögert. Technische Hindernisse werden von Wolf elegant gelöst, gesundheitliche Probleme nach einem Unfall verschieben die Abreise zwar, aber ändern nichts am Ziel.
    Dann geht es los, ungeplant, einfach raus aufs Mittelmeer, das Ziel wird unterwegs meist nach dem Motto „da waren wir noch nie“ festgelegt. Es ist spannend zu lesen, wie die Tage und Nächte an Bord ablaufen, ohne dass es je langweilig wird. Die Beiden verstehen die Kunst des Erzählens, nehmen den Leser mit auf die Reise, lassen ihn den Gegenwind, das Schaukeln des Schiffes, die salzige Luft und die erlebte Freiheit spüren. Es geht durch das Mittelmeer, durch die Strasse von Gibraltar auf die Kanaren, die Kapverden und dann über den Atlantik in die Karibik. Auf kleineren Zwischenstopps kreuzen sich die Wege von früheren Reisen. Wo sie früher alleine in einer Bucht lagen, müssen sie sich dieses Mal mit Megayachten, Jet-Skis, Ankerverboten und ausgelegten Bojen oder zahlreichen anderen Ankerliegern den Platz teilen oder an Stegen von ramponierten Marinas anlegen.
    Die weiteren Reiseziele sind nicht alltäglich, führen sie in den Norden nach Nova Scotia, Neufundland, Labrador und schliesslich nach Grönland. Die Schilderungen dieser Ziele sind einmalig und versetzen den Leser in eine Entdeckerstimmung. Ungenaue Seekarten, Buchten, die erst seit kurzem befahrbar sind, ein unbekanntes Terrain und ein Gefühl wie damals, als Menschen hier zum ersten Mal Fuss fassten.
    Beide treibt aber auch die Sehnsucht nach dem Berg, so dass es kaum einen gibt, der in der Nähe eines Ankerplatzes nicht bestiegen wird. Die Belohnung für die Mühen sind eindrucksvolle Bilder mit Fernsicht, die den Horizont erweitern und die geschilderten Plätze plastisch erscheinen lassen, wovon auch der Leser profitiert.
    Das Buch wird aufgelockert durch wunderschöne Handskizzen der gefahrenen Routen mit den besuchten Plätzen, durch atemberaubende Fotos und immer wieder durch praktische Tipps, wie zum Beispiel der Warnung vor den giftigen Manchineel-Bäumen in der Karibik oder den Besonderheiten beim Ankern auf Kelpgrund im hohen Norden.
    Ich habe zwei Tage 255 Seiten gebraucht, hab das Buch spät nachts weggelegt, bin um vier Uhr morgens aufgewacht und habe weitergelesen. Das passiert nicht oft! Jetzt werde ich es auf mich wirken lassen und irgendwann noch einmal lesen.
    Das Buch endet damit, dass Wolf mit seinem leuchtenden Tausend-Meilen-Blick Richtung offenes Meer feststellt, dass er eine vage Idee für ein nächstes Abenteuer hat. Hoffentlich!
    Gibt es noch eine Steigerungsstufe für dieses Buch? Ja, und da muss ich nicht lange überlegen: die Beiden live bei einem Ihrer Vorträge zu erleben. Sie können perfekt erzählen, nehmen das Publikum mit auf die Reise, zeigen einmalige Bilder und bei jedem Ihrer Auftritte habe ich erlebt, dass am Ende eine gespenstische Stille herrschte, eine gefühlte Minute lang, bevor sich das Publikum mit tosendem Applaus und standing ovations bedankte.
    Ich freue mich auf neue Präsentationen von Doris und Wolf, werde Ihre Aktivitäten regelmässig auf deren homepage http://www.seenomaden.at verfolgen und wünsche mir wieder ein solches Buch.

    Fair Winds!

    Ernst Groechenig

    5
  2. Genau so ist es mir auch gegangen! Ich liebe den Schreibstil von Doris. Er erinnert mich an Bruce Chatwin, meinem Lieblingsreiseschriftsteller. Ohne Eitelkeit mit dem Blick für Details und selbstironisch. Außergewöhnlich!

    5

Rezension hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*